Kategorie: Texte

Wie man in einem Zugabteil Kekse isst

Als erstes braucht man einen dem dekadenten, westlichen Zeitalter entsprechenden leibigen Körper, der in Kombination mit dem nach einen zuckrig-gefüllten Magen gierenden Teil seines Gehirns jegliche Zeit ohne Nahrung als Extremsituation empfindet, um so eine der besonderen Formen des Übermenschen im gestopften Europa zu präsentieren: ein Überesser. Als Überesser findet man sich irgendwann an dem …

Sinnperle

Tausend winzige Händchen fassen deinen Leib und ziehen dich in eine neue Welt. Durch den Zaun der Gewohnheit brechen Reize, die Wirklichkeit wird wirklicher. Plötzlich atmet alles, die Steine, noch die letzte Wand. Es, alles, leuchtet, pulsiert, strahlt, lässt Buntes bunter werden, Farben, in alledem: wer …? Wer spricht da? Was spricht da? Ein Sinn? …

Paris – ein Reisebericht

Nach Barcelona folgte Paris und eine leicht beängstigende Erfahrung metaphysischer Objektsexualität ebendieser. Welche Stadt würde sich auch besser dafür eignen? Paris Ich geh’ durch deine Gassen, die so voll sind von Französischem, weiblichen Stolz … Zwischen edlen Restaurants und rotlippigen Schönheiten schlingst du dich um mich … eine sinnliche Umarmung. Du berührst mich im Gaumen, …

Texte aus der Reisezeit – Zürich und Barcelona

Irgendwann im Jahr 2017 hat mir ein gewisser Herr Hosch die Wahrheit über meine damaligen Gedichte offenbart: voll von Unfähigkeit. Sein Ratschlag lautete: “Versuch’s mal mit Texten.” Zürich – Das Geschnatter Auf dem schwarzen See glitzert die untergehende Sonne in unzähligen, hellgelben Flecken. Mit den vielen kleinen Wellen flechtet sich daraus ein dynamisches Kunstwerk. Ein …

Das Dorf der Alkoholiker

Eine verrauchte Schenke mit versifften Vorgängen. Qualmende Stängel auf der Theke. Der Gestank beißt in der Nase, und in das Gewissen. In der einen Ecke stehen drei Weiber und tuscheln aufgeregt, in der anderen hockt ein gelangweiltes Pärchen. An der Theke sitzen fünf Männer, der Jüngste kaum 20, der Älteste mindestens 70. Kratziges Geschwafel von …

Der Fall

Es rattert, es knarzt, es saust. Die Enge vermischt sich mit der Schwüle. Die Nervosität lodert, Kerosin tropft ins Feuer. Der Propeller brüllt die menschliche Überlegenheit in die Natur:  Geist über Anziehungskraft – und der Krieg wurde gewonnen. Genau jetzt, in einem militärfarbenen, deutschen Nachkriegsmodell, das zum Vergnügen umgewandelt wurde. Die Häuser schrumpfen auf Nadelöhrgröße, das Meer breitet sich …

Das Berliner Leiden

Es war ein dunkler Winterabend. Kälte auf den Wangen, Brennen in den Augen, Tränen im Herz. Die graue, geschundene Wolljacke schützend auf meinen Schultern – Schutz und Nähe, die ich mir nicht zu fühlen erlaubte. Harte, stählerne Züge in meinem Gesicht; entschlossen bemühte ich mich diese loszuwerden. Wie hätte mich so etwas auch schmerzen können? …