Und weiter geht’s: Leseabend in der Bücherei Margareten

Lesung im Dunkeln

Das mit dem Bewerben muss ich noch lernen. Die Veranstaltung in Finsternis ist übermorgen. Wir ein besonderes Erlebnis. Meine drei Kollegen Constantin Schwab, Julia Krammer und Ida Leibetseder lesen Texte, ich funke mit Lyrik dazwischen – zum Thema: Licht und Schatten – es beginnt um 20 Uhr in der Mariengasse 1 im 17. Wiener Berzirk.

(Entschuldige mich für die lange Ruhepause auf der Website, die bald erneuert wird). Bis bald!

Wintermarkt vor Schloss Schönbrunn

Et voilà, wie angekündigt. Wintermarkt vor Schloss Schönbrunn, Acryl auf Leinwand, 40x60cm.

Ein Update für zwischendurch – Schönbrunn

18:16 Uhr, an der massiven Wolke am schalblauen Himmel brechen sich Sonnenstrahlen. Rechts von mir wartet eine Leinwand mit grober Grundlage für zwei Gesichter – schrecklich sieht’s aus, noch! Wenn ich eins bezüglich Kunst gelernt habe, dann: Eine vage Grundlage schaffen, die man dann, im Prozess, in die Perfektion schleift – was auch immer das bedeutet (bei mir ist es ein Gefühl, das eintritt und etwas ausdrückt wie “jetzt stimmt’s”).
Ein Monat ist die letzte Meldung her; zur Zeit schwelt es an einigen Enden: Meinen Debutroman Netzlos in die vierte Fassung zu schmieden; genug Leinwände fertigzustellen, um die Selbstständigkeit nicht an den Nagel hängen zu müssen (eine Leinwand und diverse Zeichnungen sind noch verfügbar, falls Kaufinteresse besteht – gerne Kontakt aufnehmen); saubere Aufnahmen der Songs für meine Band – die wegen ihres Genres gerne auch mal 13 Minuten lang sein können und sich kaum Wiederholen – im klassischen Sinne; hinzukommt, dass ich diese Internetseite mal überholen möchte – bei alledem klingelt gerne mal Herr Überforderung an die Tür. Aber wer “Künstler” sagt, muss auch “Schaffen” sagen (bei uns in Ostbelgien übrigens auch einfach ein Synonym für “arbeiten”); es geht hier schließlich um was. Um Zukunft. Und wenn man sich all das aussucht: Selbst Schuld.

Den größte Durchbruch in letzter Zeit war die Vollendung des Schönbrunn-Auftrags: Für das wohl berühmteste Schloss Österreichs durfte ich in meinem Stil das Schloss malen, als Vorlage für Postkarten; eventuell Drucke und sogar eine Serie von Bilder – wenn die Verkaufszahlen stimmen. Die Leinwand seht ihr hier nächste Woche. Also: Bis denne!

Ein Weltgesetz

E lö ssonnä nümehro troa – man sieht, dass ich in meinen Jahren in Wien nichts von meinem Französisch verlernt habe.

Die Tiefe dunkelt. Raubt der Sicht das Licht.
Und Tiefe munkelt: „Hier verschling‘ ich dich!
Versetze deinem Herz den Schattenstich,
bis dir entquillt, was ich mit Herz vernicht‘!“

Befürchtet sie die hellen, heißen Flammen,
die stäubend reißend ihr Geschwärz zergleißen
und blendend weiß – durch sie – das Dasein spleißen,
dem lodernd alle Formen ganz entstammen.

Und so erleben wir, was uns zerreißt:
Dass zwei Extreme sich in eins verdichten
und es, in uns geliebt, uns jetzt befreit.

Was uns vereint ist wohl, was „Leben“ heißt:
Dass sich aus einem zwei unendlich schichten
und es zuhöchst getrennt zutiefst gedeiht.

Der Junge und der Alte

Sonnet Nammba tuh – oder wie auch immer man auf Englisch schreibt.

„Erhöh‘ auf Höchste mich, du meine Tat,
und lass den Mensch in mir mein Opfer sein;
damit das Volk im meines Leidens Schein
das Gute spürt, weil Böses ständig naht.“

„Gekreuzigt willst du diese Welt verlassen?
Und ewig allen eine Wahrheit bleiben?
Verneinen, was du bist, und sie doch treiben?
Mein blindes Kind! Auch du wirst einst verblassen.“

„Drum muss ich alle Dunkelkraft verlichten!“
„Weil Licht ja ohne Schatten nichts vermisst?“
„Dem schwarzen All will ich entgegenpflichten!“

„Wie endlich du für dieses Werden bist.“
„Auch and’re wussten sich aus Gott zu richten!“
„Und auch, dass Gott sich ohne Mensch vergisst.“

An der Küste

Sonette sind nach wie vor eine Herausforderung; und die beste Schule. Sie zwingen dir einen Rhythmus auf, dem du dich zu knechten hast – damit du dich der fast heiligen Form des Sonetts bedienen darfst. Es folgen in den nächsten Wochen einige meiner Versuche.

die Todeswellen brechen und zerbersten
um alles Land, noch bis ins letzte Haus
zerströmen, greifen, reißen sie es aus
und hinterlassen Welt für die einst ersten

Entdecker und Gebärer einer Kraft,
die aus dem Chaos Ordnung schafft gewaltig;
der Kinder wegen, Leben, mannigfaltig,
und Dasein feiert mit dem reinsten Saft

aus bittersüßen Wurzeln tiefster Erden –
denn im Verfall versteckt sich neues Werden –
um irgend dann, nach Blütenpracht erschlafft,

in das, was ewig jetzt so vielgestaltig
sich selbst verformt, zurückzukehren, raus
aus vollstem, höchsten Sein zum tiefsten, leersten

Justitia

Ein kleines Geschenk für einen Kumpel und seine Freundin, die vor kurzer Zeit zusammengezogen sind. Sie hat übrigens nicht vor, Richterin zu werden, und das Gesicht in dieser Zeichnung soll auch nicht an sie erinnern – *hust*.

Raupe und Schmetterling

Als ich ihre Hand mit meinen Fingern spürte – da wurde mir plötzlich bewusst, wie besonders Hände eigentlich sind. Wie intim. Wie viel durch sie geschieht. Durch einfache Berührung. Werden zwei scheinbar Getrennte scheinbar vereint, für die Dauer des Kontakts … über eine Fingerspitze voller Lust oder reinste Blöße in einer Handfläche … ein Griff und Bestimmung – oder Knöchel und Blut. In der Hand eines Menschen steckt Zukunft und Vergangenheit. Und ihre zog sie von mir fort.
Schließlich war sie meine Patientin – gewesen, bis zu diesem Augenblick. In dem ich mich nur befand, weil wir uns bei der letzten Behandlung beinahe geküsst hätten. Und eigentlich auch, weil es schon so spannungsgeladen begonnen hatte.
Lesend saß ich hinter der Rezeption, als sie hereinkam und mir die Sprache verschlug. Heimlich blickte ich, und heimlich blickte sie, bis wir uns auf einmal ansahen und uns in zartester Weise berührten, für einen ganzen Augenblick. Und wie ich da gehofft hatte, dass sie Massagen brauchte, und der Arzt mich dafür einteilte: Der Selbstheilung ihres Körpers mit gezielt gesetztem Druckschmerz entscheidend zu helfen – denn nichts anderes bedeutet Massage: Erst die ganze, bisher gelebte Lebensweise eines Menschen ertasten in den Verspannungen, Blockaden und Asymmetrien des Körpers und dann jenen physisch eingefangenen Stress zu befreien … unter Schmerzen. Oft mit Stöhnen, manchmal sogar Lachen – bis sich irgendwann vom behandelten Punkt aus ein erlösendster Genuss ausbreitet, den ganzen Körper füllt, das ganze Wesen einnimmt und Einklang erzeugt mit sich selbst und der ganzen Welt in wuchtig leichter Trance – das bedeutete Massage. Und in jeder Therapiestunde war diese Erfahrung möglich. Wie pervers da die Spaltung von Beruf und Privatperson erscheint! Einerseits berührst du einen Menschen in solch intimer Weise; andererseits ist dieser ein kaputtes Objekt, dessen Teilreparatur du in einer begrenzten, bezahlten Zeit erledigt haben sollst.
Nur wird all das hinfällig,

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Ein stiller Sturm

Da gleitest du vorbei,
du junge, wilde Schöne.
Vor dir,
an einer Leine,
ein kleiner Hund, der tänzelt;
und hinter dir
stürzt
einzig die Wirklichkeit
zusammen:
An jedem deiner so sinnlichen Schritte
tanzt du Weiblichstes
in die Welt hinein;
mit wehenden Locken
und weichglatter Haut,
formte wohl sich
eine Göttin dich –
die du jetzt auch noch mich:
erblickst – !
Mit deinen dunklen Augen
peitschen Fesseln auf mich ein! –
dass ich, am Pranger meiner Blöße, so
beginne,
lautlos nach dir zu schrei‘n.