Brot und Spiele

Passend zum Mär(z)chen der letzte Woche nun wieder etwas Römisches: Einst bestimmte es über alles, die Herrschaft, die Ämter und die Legionen. Doch nun wünscht sich das Volk, um zufrieden zu sein, nur noch zwei Dinge, Brot und Spiele.

Vor einem Jahr meinte ein gewisser Max: “Hey! Wie wär’s mit einem Kurzgeschichtenverlag?”
Und nachdem die Grundwerte Anspruch und Unterhaltung definiert wurden, wird jetzt die Idee des Triumvirats aus Max Haberich, Constantin Schwab und meine Wenigkeit manifestiert: der Kurzgeschichtenverlags Brot und Spiele geht in die Gründung; im Herbst dieses Jahres werden wir die ersten fünf Bücher herausbringen : 3 zeitgenössische Jungautoren (bisher: Maria Jansen und Irene Diwiak) und 2 “Kurze Klassiker” (ein Band mit Erzählungen von Leo Perutz und eines mit Geschichten von Gustav Meyrink).

Doch noch fehlt Kapital – und drum dieser kurze Aufruf für eine Spende auf unserer Startnext-Seite.

Ein Mär(z)chen

Es waren einmal zwei Völker. Nennen wir die einen Germanen, die anderen Römer. Und – ja: um die Geschichte kurz zu machen: die Römer haben alles gefickt. Also metaphorisch. Vielleicht auch ein wenig wortwörtlich, aber verbleiben wir bei der vor emotionalem Sicherheitsabstand strotzenden Metapher.
Diese Römer, die – ich mein: die hatten mehr als’n Taui Regierungszeit, über 1000 Jahre eben; das darf man nicht einfach so unter den Perserteppich kehren, aber – die haben den Germanen den Langtag weggenommen, den Langtag! Denn dies war ihre Bezeichnung für den dritten Monat unseres Jahres, im Germanischen dann “Lenzmond” oder “Lenzing” genannt (Etymologisch entstand das aus dem logischen Zusammenschluss aus “lenzo” (=lang) und “tina” (=Tag)), also der Langtag. Und natürlich musste es Langtag heißen! Frühlingsanfang mit dem zu feiernden Äquinoktium (=Tagundnachtgleiche) nach schrecklich bösen, dunklen, kalten, unerbittlichen Wintertagen … der Langi war eben der Monat, in dem die Tage wieder länger wurden. Klar, präzise, genial, juchee!
Aber dann

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Die Zerrissenen Zwanziger: “Hasta la vista, baby”

Zeichnung zu Hamed Abbouds Text “Hasta la vista, baby” in unser bald erscheinenden Anthologie “Die Zerrissenen Zwanziger“. Elf weitere Zeichnungen werden in den nächsten Wochen hier veröffentlicht werden!

Der Selbstpfeil in einem Tunnel

What?! Ich meinte: “Der Selbstpfeil” UND “Tunnel”. Beide Gedichte sind hier bereits veröffentlicht, jetzt nochmal “inszeniert”:

Leptyss

Das Logo für die Band Leptyss meines guten Freundes Maximilian Ludwig Perstl. Der Name urspringt aus dem Spiele-Klassiker Rayman: Leptys ist dort ein vogelähnlicher Gott, der auch gerne “Bringer der Nacht” genannt wird; die Musik dieser Band entspringt jenem jungen Künstler Max, der die musikalischen Grenzen seines “Genres” (Progressiver Metal) zu sprengen sucht: “The Poison Ivy” – man darf gespannt bleiben!

Esels Ohr

Dem Sühnefest folgt die kurze Erzählung “Esels Ohr”. Wofür der Esel steht? Das entsprechende Wort hat auch 2 “e” und ist vier Buchstaben lang. Ähem. (Danke an Max Haberich fürs Filmen!)

Februa

Helau und Alaaf! “Hölle auf!” und “alles weg!”, so bejubeln die Narren den Februar. Unseren Februar, gregorianischer Zweitling im Jahr, benannt nach dem römischen Reinigungsfest Februa (“Sühnemittel”). Damals wurden noch – der römischen Göttin der Geburt Juno wegen – junge Frauen mit Ziegenfell-Riemen gepeitscht, um sie vor Unfruchtbarkeit zu wahren … heute – ich mein: kein Wunder, dass aus diesem römischen Feiersamen unser Narrenfest Karneval entwuchs, das einer sprudelnde Quelle des Dionysos in alltagsgrauer Gebirgsweite gleicht – nur schießt zwischen den Steinen dann kein Wasser, sondern purer Absinth hervor. Ja gut, man verkleidet sich, schmückt und baut Wägen, von denen “Zuckerl” oder “Schicken” beim Festzug durch die Luft geschmissen werden, unangenehm hart, kältebedingt, landen diese Teufelssteinchen auf Gliedmaßen und Köpfe; es hagelt Süßes, regnet Bauchschmerzen – zumindest für die Kinder.
Und diese Faschings-Hochzeit, auf die wir Sprösslinge uns jedes Jahr freuten, nachdem die Weihnachtsgeschenke wieder in Vergessenheit geraten und die Schule Gräue in die Zeit geflößt hatte – zum Preis, dass Eltern, Bekannte, beinah alle aus dem Dorf am Abend dem besoffenen Wahnsinn verfallen sein würden …. wen juckte das schon? So unbeaufsichtigt konnten doch die schönsten Abenteuer entstehen, für uns Halbwüchsige, die sich zu Gruppen einfanden, durch den Saal liefen, spielten, tanzten, jagten …

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Fürs Fliegen ist es nie zu spät

Ob in den Zwanzigern oder am Ende seines Lebens. Eine Kurzgeschichte über einen eisernen Richter, dem das Schicksal alles genommen und alles gegeben hat.

An Tagen wie diesem gebe ich mich durch die Häufigkeit solcher erlebten Tage beinah gezwungen bereitwillig meiner ohnehin schon durch mein Alter bedingten Bedeutungslosigkeit hin. Meine Erfahrung lehrte mich, diese tagesbeherrschende Steifheit, die heute bereits mein ganzes Erleben gerichtet haben wird, zu lieben.
Zunächst beginnt so ein Tag mit einem besonders auszehrenden Krieg – nicht, dass es sonst anders wäre, nur fällt es mir an anderen Tagen leichter – ein Krieg, der von dem alten, dürren Gestell, das sich mein Körper schimpft, gegen mich ausgetragen wird: denn das Erheben, und das Sich-hinein-Zerren in den Tag, ist dann eine besonders von Leiden bestimmte Prüfung meines Willens.
Wie üblich braucht es drei Versuche, während deren mein Holzbett knarzt und mit der rasselnden Matratze einen dissonanten Ohreneiter erzeugt, bis ich die Schlacht ächzend gewinne und schwitzend, schweratmend aufgerichtet sitze. Nun folgt nun der Bekleidungskampf. Zuerst muss ich mich, unter krachenden Wirbelkörpern und auseinanderreißenden Fasern meiner täglich mehr schwindenden Rückenmuskulatur, vorbeugen und mit beiden Armen erst das eine, linke Bein greifen und auf mein anderes heben, um mir hierauf die erste Socke der am Vorabend präparierten Kleidungsstücke auf meinem Nachttisch über dieses mich kaum noch tragen könnende Beinende zu stülpen, wonach sich dasselbe Prozedere beim rechten Fuß wiederholt; danach ziehe ich mir, mithilfe meines Gehstocks, die viel zu weite, beige Anzugshose über die Beine und schließe den rissigen Ledergürtel, der den Hosenbund seit Jahren nicht mehr verlassen hat, um ein Loch zu eng; danach fasse ich das gräuliche Feinrippleibchen und grabe meinen Kopf, unterdessen meine Hände daran ziehen, hinein, helfe einem Arm mit dem andern durch die eine Öffnung, und umgekehrt, und mühe mich dann in das grünkarrierte, müllsackgroße Hemd, dessen Zuknöpfen so viel Freude bereitet, wie das Zählen der Nadeln all unserer Tannen in Mühlebündt; schließlich, nach mehreren Fehlversuchen, landen meine Füße in den Holzschlapfen und ich sammle mich für die nächste Auseinandersetzung mit meinem Körper: Aufstehen.

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Die Zerrissenen Zwanziger

Die unfröhliche Wissenschaft

ImitationsanfälleInspiration – wo ist da der Unterschied? Versuch einer modernen Stellungsnahme:

Die unfröhliche Wissenschaft

Das Wesen der Welten will wildern,
verbildert in taktendem Licht.
Zerfaktend das Wilde zu mildern:
was Wissenschaft sucht und verbricht.

Sie eifert ins eisige Nichts.