Kategorie: Gedichte

Ein Weltgesetz

E lö ssonnä nümehro troa – man sieht, dass ich in meinen Jahren in Wien nichts von meinem Französisch verlernt habe. Die Tiefe dunkelt. Raubt der Sicht das Licht.Und Tiefe munkelt: „Hier verschling‘ ich dich!Versetze deinem Herz den Schattenstich,bis dir entquillt, was ich mit Herz vernicht‘!“ Befürchtet sie die hellen, heißen Flammen,die stäubend reißend ihr …

Der Junge und der Alte

Sonnet Nammba tuh – oder wie auch immer man auf Englisch schreibt. „Erhöh‘ auf Höchste mich, du meine Tat,und lass den Mensch in mir mein Opfer sein;damit das Volk im meines Leidens Scheindas Gute spürt, weil Böses ständig naht.“ „Gekreuzigt willst du diese Welt verlassen?Und ewig allen eine Wahrheit bleiben?Verneinen, was du bist, und sie …

Ein stiller Sturm

Da gleitest du vorbei,du junge, wilde Schöne.Vor dir,an einer Leine,ein kleiner Hund, der tänzelt;und hinter dirstürzteinzig die Wirklichkeitzusammen:An jedem deiner so sinnlichen Schrittetanzt du Weiblichstesin die Welt hinein;mit wehenden Lockenund weichglatter Haut,formte wohl sicheine Göttin dich –die du jetzt auch noch mich:erblickst – !Mit deinen dunklen Augenpeitschen Fesseln auf mich ein! –dass ich, am Pranger …

Fernste Nähe

Fernste, glasige Fremde glitzertim Hauchestanz um Hautenweltan den Gefühlsgrenzen,hinter denen noch ein Anderherzschimmerschlagend klirrt. SchwingungsstößewerdenMelodiestöhnen, dasaus zungender Lippenlustan Lustlippen kitzelnd zuckt und bebt,und stößt und nimmt und wollen lässt, vereintim Körperklaffen zwei,die sich entblößend treiben,bisdurch schattigen Orgasmusglanz der beidenGeborgenheit schillert. Doch schonschlafflüchtet sieaus ihrem Blößeliegen;und ersehnsuchtet, trotzihrer Jetztnähe.

Ousia

Ich suche dich, o Antwortauf eine Fragedie Raum und Zeit durchdringt:Warum?Durchs Leben leiden?Warum sich aufgeben für Höheres?Warumdas Streben,wenn doch nur das Sterbenwartet?Ah, der Tod. Weil wir nicht mehrdaran glauben, worum die Ägypter, gar die Griechenwussten:Weiß man denn um das Leben nach dem Tod,ja:Da lebt es sich ganz anders!Pyramiden werden gebautund Gedankensysteme geschmiedet,um des Daseins Samen …

“Gegensätze”

Frohes, neues Jahr euch allen! Kraft und Mut und Lust und Laune, schwere wie auch leichte Zeiten, Glück und Trauer, Schmerz und Erfüllung, ja: Lebendigkeit, das wünsch ich euch! Und so folgt das erste Gedicht des Jahres 2022: Dunkelheiten,Sternensaat;klaffende Weiten,Gottesstaat;endliche Leereunendlich gefüllt –aus lauter bunter Lichterschwereleichter Stoff das Dasein fest in Stille hüllt.