Als er grundlos durch den Votivpark spazierte, fiel ihm die werbefreie Kirche auf. Kein meterhohes Plakat, das die Mauern mit einem überdimensionalen Huawei X6 G17 S++ Superflat Smartphone umspannte. Sondern einfach die reine, gotische Schönheit, die der Ringstraßendom eben war: ein vielgliedrig aufstrebendes, zartmächtiges Gebilde wie aus Elfenbein, mit düst’rem Dach über dem hint’ren, strebenreichen Teil. Ein Meisterbau, der den schmutzigen Stephansdom in den Schatten stellte. Und das einfach hier, im abenddämmernden Alsergrund – Los!, dachte er und schritt zum Vordereingang. Während seines Jahrzehnts in Wien hatte er die Votivkirche nie betreten. Renovierung, Pandemie, Werbeplakate, Terminstress und Ehrfurcht hatten ihn davon abgehalten. Außerdem spazierte er viel lieber durch den Sigmund-Freud-Park. Der war größer, freier und, trotz seiner Nähe zu dem […]
„Greif nach den Sternen. Dann hol ich mir unsern #FEFA“. Das hatte Elan Moschus vor Wochen gepostet. Auf seiner Social-Media-Plattform Y, die er dann auch noch in Yps-Elan umgetauft hatte. Die Medienlandschaft war aufgewühlt, Falco Seidl dagegen belustigt gewesen.Für ihn war Moschus‘ Genius längst zerfallen in eine stumpfe Geilheit nach Aufmerksamkeit. Erkannt hatte er das in einem Podcast. Moschus war gefragt worden, wie er neben allem, was er tue, auch noch der weltbeste Spieler des von Millionen gespielten Online-Spiels Path of Exile 2 sein könne. Daraufhin hatte er nur schief gelächelt und gemeint, zocken beruhige ihn. Er habe dazu zwar nur Zeit, wenn er in seinem Privatjet fliege, aber zumindest könne er im Livestream mit der Community connecten; er sei […]
Das Meer ruht mich an. Hier, im Roten Hafen Sloweniens. Die Morgensonne strahlt durch die frische Frühe – und ich bebe: Hat doch unser Alsergrunder Autovermieter eine absurde Diskussion begonnen. Das Motoröl, das ich seiner Sorglosigkeit wegen besorgen musste, war ihm zu teuer.Keine Stunde waren wir, meine Freundin und ich, auf der Autobahn unterwegs gewesen, als das Vehikel piepsend kreischte: Bei nächster Gelegenheit 1 Liter Motoröl nachfüllen! So fuhren wir zur nächsten Tankstelle, kauften das vom Vermieter empfohlene Öl um 41,99€ und gossen es in den dampfenden Kessel. Und zum Dank für die Erledigung dieser seiner Aufgabe empörte er sich bloß: Der Preis sei jenseits von Gut und Böse, er wolle ihn nicht bezahlen. Wir sollten die Hälfte übernehmen, da […]
Als er grundlos durch den Votivpark spazierte, fiel ihm die werbefreie Kirche auf. Kein meterhohes Plakat, das die Mauern mit einem überdimensionalen Huawei X6 G17 S++ Superflat Smartphone umspannte. Sondern einfach die reine, gotische Schönheit, die der Ringstraßendom eben war: ein vielgliedrig aufstrebendes, zartmächtiges Gebilde wie aus Elfenbein, mit düst’rem Dach über dem hint’ren, strebenreichen Teil. Ein Meisterbau, der den schmutzigen Stephansdom in den Schatten stellte. Und das einfach hier, im abenddämmernden Alsergrund – Los!, dachte er und schritt zum Vordereingang. Während seines Jahrzehnts in Wien hatte er die Votivkirche nie betreten. Renovierung, Pandemie, Werbeplakate, Terminstress und Ehrfurcht hatten ihn davon abgehalten. Außerdem spazierte er viel lieber durch den Sigmund-Freud-Park. Der war größer, freier und, trotz seiner Nähe zu dem […]
Eine Ahnung bloßzum Aufbruch führte,auf den Weg,der sich dir offenbartein Schmerzen, Zweifel – Hässlichkeitder Hügel und der Wälder Weiten,die dich vergessen machten,dich nur noch vertrauen ließenauf das Weitergehen, das Vollenden –das die Ahnung ganz allein bestätigte:Erwartungen brechen,Stärke kommt und geht,keine Qual ist Grund genug, um aufzugeben,und mit den Tränen trägstdas festeste Geschenk der Seele dubis zum letzten Augenblicknach Haus.
Blutiger Federzausum ein klaffendes Leibchenauf dem moosigen Betonirgendeines Hinterhofs. Aus naher Ferne gaffen sieauf ihr verlassenes Geschwister,dessen Flügelflaum vereinzelt tanztim Winterwind,der diesen einen Todfarbenfroh einfriert – bis ein Jemand es entsorgtin einem der schwarzen Abfallstände,die um diesen Spielplatz blinder Taubenthronend ruhen.
Ja guten Morgen zusammen! Vier Monate vergehen dann doch wie im Flug, wenn ein leckerer Cocktail aus Literatur, Logos, Liebe und Leid den Alltag einnimmt. Das ist quasi meine Ausrede fürs nicht-Posten, auch wenn es weder rechtfertigend noch entschuldigend ist.In diesem Beitrag wird das bisher Geschehene angerissen und dann geht’s wieder mit regelmäßigen Meldungen weiter (dienstags, 19:00). Literarisch laufen die Arbeiten an der 4. Fassung für Netzlos auf Hochtouren. Ende März kam diesbezüglich etwas dazwischen: Das Startstipendium für Literatur, für das ich mich beworben habe. Bescheid gibt’s im Juni – und dann, hoffentlich 6 Monate Kohle, um diesem Erstroman den Rest zu geben; wobei ich bereits auf Verlagsjagd bin.Abgesehen davon gab’s ein paar Gedichte; Lesungen stehen im Raum (ab Sommer), […]
Die Dunkelzeit neigt sich ihrem Umkehrpunkt zu: Morgen ist jener kosmische Tag der Wintersonnenwende; hier im Westen fast vergessen. – Hab mal irgendwo gelesen, dass die Geburt Christi damals mit diesem Tag übereinstimmte, was ja – auch unabhängig vom christlichen Kontext – ein schönes Aufeinandertreffen von natürlichen Finsterstunden und menschlichem Retterlicht ist; aufgrund der Präzession wurde dieses Datum auf den 21. bzw. 22. Dezember vorverlegt – aber was weiß ich schon … das weiß ich: Nachdem in der zum Träumen und zur Demut anregenden Netflix-Doku-Serie Ancient Apocalypse ein kurzer Clip eingespielt wurde von Sonnenuntergängen aufeinanderfolgender Tage, und unser Stern mit jedem Abend weiter nach links über den Horizont wanderte, bis zu einem gewissen Punkt, an dem er dann verweilte und […]
„Nur derjenige, der von uns gegangen ist, ist derjenige, der zu uns gehört. Verstehst du, mein Lieber?“„Aber, Opa! Das hat doch nichts damit zu tun.“„Was soll womit was zu tun haben?“„Mann! Hörst du mir nicht zu: Ich saß mit einem Freund und einem Bekannten beim Frühstück, in einem Hotel, das voll von Gemälden war; auch neben meinem Freund hing eins; darauf war ein Mann abgebildet. Als wir dann die Semmeln rumreichten, scherzte ich, dass der ja auch wahnsinnig hungrig sein müsse – und daraufhin hat mein Freund dem Bild eine Semmel hingehalten.“„Und was ist passiert?!“„Ja nichts ist passiert, Opa. Das war ja nur ein Bild.“Ein Grinsen breitete sich über das faltige Gesicht aus. „Folge mir.“ Er stand auf, nahm seinen […]
Trotz tanzendem Fließenströmt er in nur eine Richtung;ein Mit- und ein Gegeneinanderdes lebendigen Wassers.Steinerne Uferum rinnende Gleichmäßigkeit –ungebrochen zeitlos.Kleine Blätter treiben,die letzten Mücken schwirren,eine Fledermaus frohlocktim himmelshellen Nachtbeginn;während Krähenherdenzu hunderten hinfort ziehen,und aus der StadtMotoren dröhnen –in den Kirchen,da lebt noch Gott;dort bin ich ihm vorhin begegnet –und auch hier: Im Fluss – als Fluss –,der vor meinen Füßenwellend Straßenlichter dehnt. –Was brachte mich hierhin?