Kulturen stürzen ein und Lippen schwellen auf

Wo lässt mich dieser Wahnsinn beginnen, aufgespannt zwischen verstörenden Schönheitsidealen und verstörenden Zukunftsidealen?
Die einen lassen ihr Aussehen manipulieren, um in gewissen Perspektiven, die von Kameras eingefangen werden, hyperästehtisch zu erscheinen – dabei gleichen sie grauenhaft überzeichneten Puppengesichtern, die sich alle nicht nur viel zu sehr ähneln, sondern auch seltsam unmenschlich wirken: Also irgndwos is do foisch in dem Gfriß. Ob Männer, die ihren Kiefer verbreitern lassen oder Frauen, deren Lippen nicht voll genug sind – ich weiß! Dies ist keine Neuheit; dass man diesen falschen Gesichtern aber immer häufiger begegnet: schon. Natürlich nimmt Homo Modernus sich das Recht, seine Erscheinung zu verändern; wir sind letztlich ein höchst manipulatives (mit der Hand verändern) Wesen! So sehr, dass wir mittlerweile über der Natur zu stehen glauben: Durch unsere Betonwüsten, durch all unsere Straßen, und unseren Flugzeugen, Raketen – und mit der überwundenen Schwerkraft auch haben wir unsere Erde zur Sklavin gemacht. Und als ob Sklaven sich rächen könnten, an ihren Herren, und Herrinnen und Heraußen – oder wie war das noch mit dieser Geschichte im Alten Testament?
Die anderen – tja – mit ihren Zukunftsidealen … aber ohne Werte, nicht? – Ein Beispiel: Die österreichische Bundesregierung versucht einen Gesetzesentwurf durchzuringen, der die fucking älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt: Die Wiener Zeitung – seit 1703 – zu digitalisieren sucht. Ein Mal pro Monat soll aber ein Print kommen. Beschlossen wurde das ohne die Redaktion. – Ist ja auch nur Geldverschwendung, so was, heutzutage. Wer liest denn noch Zeitung? Und wichtiger noch: Wer kauft sie? – Das rentiert sich nicht, so ein unabhängiges,

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Der große Grund

“Der große Grund” – Öl auf Leinwand, 40x40cm.

Ein Weltgesetz (2)

Bin kein Verfechter von Halbherzigkeit. Oft genug ist die Inspiration zu überwältigend, als sie in reiner Feinheit einzufangen; da schreibt man sich einen ab und fängt sich einen ein, was das Zeug hält, um dann, oft schon am nächsten Tag, die eher mittelmäßige Qualität des Eingefangenen feststellen zu müssen. Was dann noch bleibt, wenn dieses rohe Werk einen noch berührt: Schleifen und schleifen, vom Dreck befreien, Überflüssiges reduzieren und Kohärenz der Bilder und Sprache abzustimmen – eine mühselige Prozedur. Aber dann, wenn man es zu Ende gebracht hat, zahlt es sich aus (man vergleiche die erste Version dieses Sonetts mit dieser).
(PS: Eine Überarbeitung der Website steht an; hinzukommen einige persönliche Veränderungen, auf die ich mein längeres Schweigen schieben möchte – es kommt wieder mehr!)

Ein Weltgesetz

Die Tiefen dunkeln, zehren jedes Funkeln auf;
gebären ewig aller Welt die Weltennacht,
die wie ein Schatten Gottes thront in schwarzer Pracht,
aus der ein Kosmos munkelt über ihren Lauf:

Dass sie die Ferne schafft, weil Sterne sie durchflammen,
mit lebensheißen Sonnentagen sie zergleißen
und voller Farbe, Form und Stoff die Leere spleißen:
So klafft das Chaos, dem im Kerne wir entstammen.

Darum erleben wir seit je, was uns zerreißt:
Dass Gegenteile sich in eine Wahrheit dichten –
und dies, in uns geliebt, uns jederzeit befreit.

Was uns und alles bindet ist, was „Dasein“ heißt:
Dass sich aus Einem endlos viele Teile lichten –
zum Ganzen, das zuhöchst getrennt zutiefst gedeiht.

Und weiter geht’s: Leseabend in der Bücherei Margareten

Lesung im Dunkeln

Das mit dem Bewerben muss ich noch lernen. Die Veranstaltung in Finsternis ist übermorgen. Wird ein besonderes Erlebnis. Meine drei Kollegen Constantin Schwab, Julia Krammer und Ida Leibetseder lesen Texte, ich funke mit Lyrik dazwischen – zum Thema: Licht und Schatten – es beginnt um 20 Uhr in der Mariengasse 1 im 17. Wiener Berzirk.

(Entschuldige mich für die lange Ruhepause auf der Website, die bald erneuert wird). Bis bald!

Wintermarkt vor Schloss Schönbrunn

Et voilà, wie angekündigt. Wintermarkt vor Schloss Schönbrunn, Acryl auf Leinwand, 40x60cm.

Ein Update für zwischendurch – Schönbrunn

18:16 Uhr, an der massiven Wolke am schalblauen Himmel brechen sich Sonnenstrahlen. Rechts von mir wartet eine Leinwand mit grober Grundlage für zwei Gesichter – schrecklich sieht’s aus, noch! Wenn ich eins bezüglich Kunst gelernt habe, dann: Eine vage Grundlage schaffen, die man dann, im Prozess, in die Perfektion schleift – was auch immer das bedeutet (bei mir ist es ein Gefühl, das eintritt und etwas ausdrückt wie “jetzt stimmt’s”).
Ein Monat ist die letzte Meldung her; zur Zeit schwelt es an einigen Enden: Meinen Debutroman Netzlos in die vierte Fassung zu schmieden; genug Leinwände fertigzustellen, um die Selbstständigkeit nicht an den Nagel hängen zu müssen (eine Leinwand und diverse Zeichnungen sind noch verfügbar, falls Kaufinteresse besteht – gerne Kontakt aufnehmen); saubere Aufnahmen der Songs für meine Band – die wegen ihres Genres gerne auch mal 13 Minuten lang sein können und sich kaum Wiederholen – im klassischen Sinne; hinzukommt, dass ich diese Internetseite mal überholen möchte – bei alledem klingelt gerne mal Herr Überforderung an die Tür. Aber wer “Künstler” sagt, muss auch “Schaffen” sagen (bei uns in Ostbelgien übrigens auch einfach ein Synonym für “arbeiten”); es geht hier schließlich um was. Um Zukunft. Und wenn man sich all das aussucht: Selbst Schuld.

Den größte Durchbruch in letzter Zeit war die Vollendung des Schönbrunn-Auftrags: Für das wohl berühmteste Schloss Österreichs durfte ich in meinem Stil das Schloss malen, als Vorlage für Postkarten; eventuell Drucke und sogar eine Serie von Bilder – wenn die Verkaufszahlen stimmen. Die Leinwand seht ihr hier nächste Woche. Also: Bis denne!

Ein Weltgesetz

E lö ssonnä nümehro troa – man sieht, dass ich in meinen Jahren in Wien nichts von meinem Französisch verlernt habe.

Die Tiefe dunkelt. Raubt der Sicht das Licht.
Und Tiefe munkelt: „Hier verschling‘ ich dich!
Versetze deinem Herz den Schattenstich,
bis dir entquillt, was ich mit Herz vernicht‘!“

Befürchtet sie die hellen, heißen Flammen,
die stäubend reißend ihr Geschwärz zergleißen
und blendend weiß – durch sie – das Dasein spleißen,
dem lodernd alle Formen ganz entstammen.

Und so erleben wir, was uns zerreißt:
Dass zwei Extreme sich in eins verdichten
und es, in uns geliebt, uns jetzt befreit.

Was uns vereint ist wohl, was „Leben“ heißt:
Dass sich aus einem zwei unendlich schichten
und es zuhöchst getrennt zutiefst gedeiht.

Der Junge und der Alte

Sonnet Nammba tuh – oder wie auch immer man auf Englisch schreibt.

„Erhöh‘ auf Höchste mich, du meine Tat,
und lass den Mensch in mir mein Opfer sein;
damit das Volk im meines Leidens Schein
das Gute spürt, weil Böses ständig naht.“

„Gekreuzigt willst du diese Welt verlassen?
Und ewig allen eine Wahrheit bleiben?
Verneinen, was du bist, und sie doch treiben?
Mein blindes Kind! Auch du wirst einst verblassen.“

„Drum muss ich alle Dunkelkraft verlichten!“
„Weil Licht ja ohne Schatten nichts vermisst?“
„Dem schwarzen All will ich entgegenpflichten!“

„Wie endlich du für dieses Werden bist.“
„Auch and’re wussten sich aus Gott zu richten!“
„Und auch, dass Gott sich ohne Mensch vergisst.“

An der Küste

Sonette sind nach wie vor eine Herausforderung; und die beste Schule. Sie zwingen dir einen Rhythmus auf, dem du dich zu knechten hast – damit du dich der fast heiligen Form des Sonetts bedienen darfst. Es folgen in den nächsten Wochen einige meiner Versuche.

die Todeswellen brechen und zerbersten
um alles Land, noch bis ins letzte Haus
zerströmen, greifen, reißen sie es aus
und hinterlassen Welt für die einst ersten

Entdecker und Gebärer einer Kraft,
die aus dem Chaos Ordnung schafft gewaltig;
der Kinder wegen, Leben, mannigfaltig,
und Dasein feiert mit dem reinsten Saft

aus bittersüßen Wurzeln tiefster Erden –
denn im Verfall versteckt sich neues Werden –
um irgend dann, nach Blütenpracht erschlafft,

in das, was ewig jetzt so vielgestaltig
sich selbst verformt, zurückzukehren, raus
aus vollstem, höchsten Sein zum tiefsten, leersten