Als erstes braucht man einen dem dekadenten, westlichen Zeitalter entsprechenden leibigen Körper, der in Kombination mit dem nach einen zuckrig-gefüllten Magen gierenden Teil seines Gehirns jegliche Zeit ohne Nahrung als Extremsituation empfindet, um so eine der besonderen Formen des Übermenschen im gestopften Europa zu präsentieren: ein Überesser. Als Überesser findet man sich irgendwann an dem Punkt, an dem man seit Jahrzehnten den ganzen Tag lang isst: nicht die Menge, aber ständig; ständig in Verbindung mit allen Trivialitäten des Alltags: ob beim Fernsehen, oder Toilettengang, beim Zeitungslesen oder ein kleines Mitternachtshäppchen zwischendurch.Als zweites braucht man eine 4-köpfige, männliche, chinesische Reisegruppe, deren hinterlistig leises, introvertiertes Sein durch das gebannte Starren auf ihre Digital-Diktatoren fast vergessen lässt
Er sitzt allein,auf einer Bank so zitternd,die Schwere seines Schicksalsin den großen Afrikanischen Augen – In einer Wolke aus Obdachlosigkeitatmet er ein die Hoffnungund aus die Lebensaufgabe: Vor ihm der Becher aus Pappe,in dem eine Münze schimmert. Wien 2019
Im Hauchestanz um Hautenweltglitzern Gefühlsgrenzen an fernglasiger Fremde,hinter der das Anderherzzum Körperriss emporklirrtund das Formdurchsichtige zerscherbt: Schwingungsstöße, Melodiestöhnen,zungende Lippenlust an Lustlippen,Körperklaffen, Geborgenheitsschillern,schattiger Orgasmusglanzbeider – – Die Schonsehnsucht trotz Jetztnäheschlafflüchtet aus dem Blößeliegen und fasst unser schamstarres Zwischenunsseinmit unseren Berührungssplittern. Wien, Juli 2019
An den Punkt gelangen,der in seinem Wesen abervoller ist, weiter,umfassender als ein bloßer Zustand. In gehetzer Irrjagd,die das Leben als Falle stellt und den Verstand ködertdurch gedachte Dinge,die Formen und Grenzen aufsetzen. Dennoch wurzelt alles in Liebe. Langen, nach dem Punkt in seinem Wesen,der Volles, Weites umfasst,ist Blöße, aber ein Zustand. Als Gehetzter die Fallen jagen – und das irre Leben stellt den Verstand,den Köder der Dinge, der Formen erdenkt und Grenzen setzt. Dennoch: Liebe wurzelt aus allem. Der Punkt gelangt in sein Wesen:Fülle, Weite, Blöße – ein umfassender Zustand, aber: Eine irre Hetzjagd, in das Leben gestellt,und der Verstand fällt durch das ködernde Denkenauf gesetzte Dinge, auf begrenzte Form. Liebeswurzeln. Februar 2019
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,als welkten in den Himmeln ferne Gärten.Sie fallen mit verneinender Gebärde. Meine Sommerpause hat mit Wiens erfrischenden Herbst sein Ende gefunden. Und über Wien muss ein Wort der Dankbarkeit ausgesprochen werden; selbst wenn der politische Kindergarten an dem Rockzipfel dieser Stadt zu ziehen versucht: Wien ist ein derart soziales, auffangendes Pflaster, auf dem auch noch die Kunst gefördert gebettet liegt. Über diesen Sommer hat sich Einiges im Schriftstellerischen ereignet: Der Verband „Junger PEN“, bei dem ich Mitglied bin, wird Ende des Jahres eine Anthologie mit dem Titel: ein Loch in dünner Zeit veröffentlichen – auch hatte ich das Glück, für die Deckblattgestaltung gewählt zu werden (und vorweg, weil ich meinem geschätzten Onkel Gerd einen […]
Still das Schwarze, unbefeuert,leer vor lauter Nichts.Noch schweigt das große Ungeheuer,schweigt im schwarzen Licht: Im Schatten blind, im Schatten taub, der Schatten hat geraubt; gefasst den Rauch, der Kohlehauch, die tote Glut zerbricht ins schwächste Glimmen, leise scheint schneidend durch die Düsternis, durchs weite Schwarz ein ruhiges Licht, das zärtlichst in die Augen sticht mit sanftem Rot im Glutgesicht, aus dem ein Mund erbricht: aus der Asche bricht das Blut, es treibt, es fließt die Funkenflut mit Flammenzungen, Flammen lodern, Feuer zungt, das Feuer lodert hoch und weit, zerbrennt das Schwarz ein großes, grelles Feuerherz sengt hell und laut, erblindet, taubt: Hitze atmend, Flammen fassend, Feuer aus dem Herzen lassend, brennen wir hinauf. Kahlenberg, Juni 2019
Das Wesen der Welt will wildern,bebildert in taktendem Licht. Das Schlichte wird noch beschildert,bis das Schlichte zerbricht. Die Macht der Algorithmenzüchtet das Entblößen,dem kalte Maschinen sich widmen,als ferne, eisige Größen,die das All zerlegen werden. Was macht der Mensch jetzt auf Erden? Wien, 2019
es wiederholt sich es wiederholt sich die geschichte es wiederholt sich sein leben ihr leben wiederholt sich im gleichen tag im gleichen leben das gleiche mal ewig gleich neu ewig anders gleich ewig älter als jünger ewig jünger wenn es altert wird es jünger wenn es älter wird es hundert mal tausend mal millionen mal unendlich und immer wurzelt es in die gegenwart im werden wurzelt es im stattfinden im jetzt findet statt jetzt nichts statt außer zeit um und über und in ihm und ihr wann lernt er endlich dass wann lernt sie endlich dass er hat ein geschenk wie sie es hat aber geben tun er nicht sie nicht selbst trotz wille geben sie es nicht ist er […]
Tausend winzige Händchen fassen deinen Leib und ziehen dich in eine neue Welt. Durch den Zaun der Gewohnheit brechen Reize, die Wirklichkeit wird wirklicher. Plötzlich atmet alles, die Steine, noch die letzte Wand. Es, alles, leuchtet, pulsiert, strahlt, lässt Buntes bunter werden, Farben, in alledem: wer …? Wer spricht da? Was spricht da? Ein Sinn? Die Sinne? Gar – der Sinn? Voll von Sinn, das hier. So sinnhaft, das Hier. Das Jetzt? Von allen Seiten? Ein Wahnsinn! Ein Gesunder, ein Ungesunder? Das Dasein zu sinnend, zu groß und mächtig, ein Grund! Wo ist der Grund, die Tiefe, Schm… – da! Diesen Zaun kenne ich doch. Aber er steht ja um einen Garten herum. So viel Grün und so viele Bäume […]