April, April

Da lacht die Sonne, weint der Himmel, rast der Wind, es grauen die Wolken – ja als ob man hier in der belgischen Eiffel wäre, und nicht in Wien! Wahnsinn. Mein Geburtsmonat ist wirklicher Wahnsinn! Launisch wie jedes dreijährige Kind und gleichzeitig das nach grauen Wintermonaten so bedürftige Blütenblut spendend – wie jedes dreijährige Kind es mit seiner steten Begeisterung und Bewunderung von allem vermag; ja … der April ist wohl das Kleinkind unter den Monaten UND macht eben, was er will.

Nachdem ich dieses Jahr in den monatlichen Blogeinträgen die Monatsursprünge zum Teil aufgedröselt habe, bleibe ich diesem Muster treu: aber der April bietet nicht viel außer Mutmaßungen über die Herkunft seines Namens (vielleicht von Aphrodite abgeleitet oder vom lateinischen aperire – “öffnen”, oder, oder, oder …), dem klassischen Aprilscherz am ersten Tag (seit dem 16./17. Jahrhundert in unseren Breitenkreisen dokumentiert und dieses Brauchs Begründung schwankt von Luzifers Einzug in die Hölle an jenem ersten Apriltag bis zur verkackten Regelung des Münzwesens auf dem Augsburger Reichstag 1530 – und eben alles, was dazwischen noch so Platz hat.) – ach, und dann noch das christlicher Osterfest natürlich, wo es plötzlich keinen toten Jesus mehr gab, weil er sich dachte: Auferstehung, Mann! (Und Frau natürlich!) – also doch nicht so wenig. Hm.

Was nur mit diesen Bräuchen geschieht? Aprilscherz, Ostern? Der wissenschaftsbedingte Gesellschaftswinter saugt wohl allem den Spaß an der (irrationalen) Freude aus – denn ich habe dieses Jahr niemanden zum Narren gehalten; schon Jahre nicht mehr; nicht mehr wie damals, als Kind. Niemanden zum Narren gehalten, außer natürlich mich selbst – wie wir wohl alle es tun und gut daran täten, es mehr und mehr zu unterlassen. Zu ersetzen durch mehr Wahrheit in Wort und Tat, mehr Liebe ebenfalls; nach innen, wie nach außen … wenn das nicht nur so schwer wäre!
In Dostojewskis Der Großinquisitor wurde es doch schön auf den Punkt gebracht: “Schau, Jesus”, sagte der Großinquisitor zu dem in der Spanischen Inquisition zurückgekehrten und festgenommenen Jesus, “ist ja geil, dass du als wertvollstes und unschuldigstes Menschenideal auf dem Kreuz zu Tode gelitten wurdest – aber jeder andere – wir Normalos – können ein solches Leiden nicht einfach voller Liebe auf unsere Schultern laden und dann durchs Leben tänzeln, tut mir leid. Heute im Christentum mussten wir es den Vielen leichter machen [damit viele beitreten konnten]: durch Buße und Vergebung und so …” – und man siehe, was die Kirche angerichtet hat! Halleluja! Die vielen Kinder, die durch Pastoren das Böse in der Lust erfahren konnten; auch die Kriege und die machverseuchten Eingriffe ins Weltgeschehen … – aber das ist nur die eine, schattige Seite, während auf der des Lichts – und an dieser Stelle das Ende Dostojewskis Geschichte: küsste Jesus den ihn anschuldigenden Großinquisitor auf den Mund, worauf dieser ihn aus der Zelle entlässt – und Jesus die Tür hinter sich nicht schließt.
Diese Geste der offenen Tür, das bietet wohl das Christentum, trotz seiner Fehler. UND – ACH! – DANN NOCH DIE VERFICKT GENIAL BRILLIANTE KUNST, DIE DADURCH ÜBERHAUPT ERST ERMÖGLICHT WURDE? REIMS? FLORENZ? KÖLNER DOM? Von Malereien brauch ich ja gar nicht erst anfangen! Und von dem ganzen Rest! Aber gut, aber gut: nur ein kleiner Exkurs.

Die Launen des Aprils, die Launen des Wetters, die Launen des Körpers und der Psyche. Ein bunter Monat, der wohl aufzeigt, dass der Winter notwendig ist, um den Frühling fühlen zu können.

Eine gute Woche euch allen!