Maya …

… würde ich schreiben, wenn es sich hier um eine Abhandlung indischer Philosophie hielte. Einiges zu erzählen gäbe es da über dieses so verzaubernde Wörtchen Maya, die als “unergründliche Schöpferkraft des absoluten Brahman” gilt – der ewige Schleier.
Da ich aber nicht genügend davon verstehe, überlasse ich es euch Lesern, die Bhagavad Gita zu lesen, oder mal ganz nett mit Hesses Siddhartha anzufangen, oder einfach ein kleines Philosophie-Studium durchzudrücken; hier in Wien kostet’s ja kaum was – ansonsten kann ich den Dr. Arno Böhler empfehlen. Überbrückt die Kluft zwischen westlicher und östlicher Liebe zur Weisheit ganz interessant, wie ich finde – womit wir die Brücke zurück zum Westen schlagen können: Maia. Die gute alte römische Göttin. Frau von Vulcanus, dem römischen Hephaistos (Feuer, Schmiede und so … einer deutsch-französischen Produktion übrigens sei Dank, für die geniale Aufbereitung der griechischen Mythologie).
Der Dame wurde also am Ersten ihres Monats eine trächtige Sau geopfert von so ‘nem Flamen. Damit meine ich nicht einen flämisch sprechenden Belgier, sondern so’n altrömischen Opferpriester, in diesem Fall der Flamen Volcanalis, der so eine arme Sau mit ungeborenen, doch leben wollenden Miniversionen von sich selbst einfach so die Kehle durchschneidet! Und überall Blut! Spritzt ja wie sau! – Moment. Sagte ich: einfach so?
Natürlich nicht einfach so. Man tötet ein Lebewesen doch nicht einfach so; außer man hat die Arschkarte der Psychopathie gezogen oder ist halt kriegsbedingt genötigt entscheiden zu müssen: ich oder du (Letzteres ist mir bisher nur mit Mücken passiert. Lästige kleine Teufelsbiester). Zurück zum Punkt: Ich glaube nicht daran, dass unsere “primitiven” Vorfahren blutrünstige, asoziale Schweine waren, die gern Mal ‘n Tier geopfert haben, sondern, dass sie das unter größtem Leid taten. Leid für das Geopferte und für den Opfernden. In ‘ner Welt, wo nicht an jeder zweiten Ecke ein Supermarkt glänzt, hieß ein solches Sauopfer, das eben auch noch schwanger war: Verzicht. Weniger fürs Jahr. Kostbares – in dem Fall eine Zeit lang etwas zu fressen haben – aufgeben. Und die Idee – so grausam die Handlung ist – einer menschlichen Abstraktion (sind Götter denn etwas anderes? Uns sind sie deswegen weniger wirklich?), die ein nahezu zeitlos regierendes Prinzip abstrahiert, etwas zu opfern, etwas von Wert, als Respekt, um durch den Schmerz ja nicht zu vergessen – ja: was? Was?! Das: ja nicht zu vergessen!
Und genau das fehlt. Heute fehlt uns das, fehlt mir das. Was bedeuten Feiertage schon? Pfingsten, und heiliger Geist – ist doch nur Bibelbullshit, nicht? Feiertage ohne Opfer – das unsre Ahnen nicht lachen. Was wird heute noch geopfert, freiwillig, um einem höheren Prinzip zu dienen? Und um Gottes Willen soll das kein Appell sein, Lebewesen zu opfern. Aber da gäb’s vielleicht anderes, das man opfern könnte … etwas das richtig weh tut, wenn man es opferte. Nur um – Wertigkeit zu erfahren, Wertigkeit von etwas. Zu spüren, zu leben, zu geben.
Warum man das tun sollte?