Ein Mär(z)chen

Es waren einmal zwei Völker. Nennen wir die einen Germanen, die anderen Römer. Und – ja: um die Geschichte kurz zu machen: die Römer haben alles gefickt. Also metaphorisch. Vielleicht auch ein wenig wortwörtlich, aber verbleiben wir bei der vor emotionalem Sicherheitsabstand strotzenden Metapher.
Diese Römer, die – ich mein: die hatten mehr als’n Taui Regierungszeit, über 1000 Jahre eben; das darf man nicht einfach so unter den Perserteppich kehren, aber – die haben den Germanen den Langtag weggenommen, den Langtag! Denn dies war ihre Bezeichnung für den dritten Monat unseres Jahres, im Germanischen dann “Lenzmond” oder “Lenzing” genannt (Etymologisch entstand das aus dem logischen Zusammenschluss aus “lenzo” (=lang) und “tina” (=Tag)), also der Langtag. Und natürlich musste es Langtag heißen! Frühlingsanfang mit dem zu feiernden Äquinoktium (=Tagundnachtgleiche) nach schrecklich bösen, dunklen, kalten, unerbittlichen Wintertagen … der Langi war eben der Monat, in dem die Tage wieder länger wurden. Klar, präzise, genial, juchee!
Aber dann kamen die Römer; vergewaltigten Europa (metaphorisch und wortwörtlich) und meinten: “Salve, Germanen! Lenzmond?! Nee nee nee. Das wird Martius! Weil Mars ist unser Kriegsgott und basta. Bastarde! Okay?”
Beim Anblick der römischen Heere, haben die Germanen dann sachte genickt, allemal, und drum haben wir heute den März. Und alles wuchs und gedieh ab der Mitte dieses Monats bis zum Ende – jo, des Herbstes. Und dann wieder alles von vorn. Ende.


Ich denke dieses meisterhafte Märchen spricht für sich. Der Aufbau, die Dramatik … aber den Blödsinn mal beiseite: Ein Drittel der dritten Fassung meines Romans “Netzlos” ist abgearbeitet; noch zwei weitere sind zu stemmen. Ein neues expressionistisches Bild hat Vollendung gefunden (heißt “Tod und Leben”) und wird in den nächsten Wochen hier eintrudeln. Und sonst? Sind die Tage zu schnell vorbei! Also, trotz Masken: Ohren steif halten!