Der Unfall

Der Zeiger nähert sich der 120, Felder rasen vorbei, das Grau drückt meine Stimmung. In der Ferne wartet eine Kurve, von einigen Kiefern umgeben. Die Kurve rückt immer näher, das Abbremsen fehlt – eine Sekunde vergeht, zu spät, die Kurve, Reifen schlittern, die Bäume, das Steuer, brutal herumgerissen!
Den tödlichen Baum nur gestreift.
Der Wagen schlägt aus, etwas bricht, das Gefährt scheuert, schlittert in den Zaun. Der rettende Stacheldraht! Die Airbags explodieren, mein Gesicht schlägt auf das Kissen. Es qualmt – etwas verpestet die Luft. Meine Schulter schmerzt. Der Wagen steht schief, im Draht verfangen. Die Lichter blinken, das Auto hupt. Das Radio läuft immer noch.
Raus! Die Tür klemmt, der Qualm wird dichter, raus! Raus! Keine Zeit für Gedanken, eine Lösung muss her! Funktionieren. Die Tür auftreten, Handy zücken, Hilfe wählen. Stress pumpt durch meinen Körper – ich habe Scheiße gebaut.
Ich warte. Schock. Dann: zurück in den Schmerz. Zurück in das Versagen, das hier vor mir liegt. Zurück in den Wagen, meine Sachen aufsammeln. Mein verfluchter Leichtsinn! Meine arrogante, ekelhafte Selbstüberschätzung! Ich hätte sterben können.
Weil ich gespielt habe.
Fahrlässig, weil ich irrational war.

 

Amblève, 23.12.17