Corona: Was raus muss, muss raus

Habt ihr nichts Besseres zu tun, in eurem Leben, als gegen Corona zu demonstrieren? Nichts Dringenderes, gar Wichtegeres steht an? So fertig mit euch selbst, mit Vergangenheit und Zukunft, so ideal seid ihr schon geworden, dass euer Aufschreien – euer Kritisieren – gegen eine höhere Ordnung gerechtfertigt ist? Während der Staat für alle entscheiden, verantworten muss und ihr einzelnen zu entscheiden und verantworten hattet, ob eher das Red Bull oder die Cola das richtige Zuckergift ist für euch geschmackslose Wesen? Ach, ihr wehrt euch bloß gegen die „politische Ungerechtigkeit“? Weil ihr euch höher seht als das erhaltende System? Ihr vom Luxus zerfressenen Königsmenschen, die am höchsten stehen und am weitesten sehen, weil ihr ja wisst, was ihr da tut: Den Zweifel in das zu treiben, was sich ums Wohle aller versucht.

Aber gegen höhere, ordnende Mächte zu wettern – nur weil sie euch eure Kleinheit vorhalten! – „Nicht mit uns, nicht mit mir!“, zischt ihr gehässigen Kleingeister euch ins Fäustchen. Und weil „die da oben, in der Politik“ ja auch nur Menschen sind, eh nur Menschen wie du und ich, ganz normale eigentlich, die aber, aufgrund ihrer Position, ihrer gewaltigen Entscheidungsmacht, mich kleinhalten wollen, mich! Und auch andere! Aber so etwas lasse ich sicher nicht mit mir machen! Ich habe Rechte! Mir bürgen Rechte! Demokratie! Freiheit! Individualismus! Gegen die Ungerechtigkeit! Ich bin ein Held, der kämpft, für Werte, weil ich Mensch kriegerische Triebe habe, die unserem Land aus Frieden viel zu lange verkümmerten! Stirb, Ungerechtigkeit! Stirb, höheres Gesetz! Denn die Dinge sind einfach, und einfach ist mein Ansatz: Widerstand gegen das, was geschieht! – und welch Glück, dass alle diese Revoluzzer (und fick‘ das *innen, ich mein euch alle Menschen!) noch nicht die Ungerechtigkeit des Wetters, gar der Zeit, gar des Alls an sich entdeckt haben.

Weil es zerfällt; dass man gleich mitzerfallen will.

Und was hält, was währt, was besteht fort?
Wir, hoffentlich.

Wir, die Gesellschaft – die sich in der Politik spiegelt? Die Politik, doch unterwandert von Hochstaplern, die oft bewundert an der Spitze stehen – und letztlich immer noch standen: Im Glanz der Massen, der Massenmedien, baden sie sich; baden wir sie; baden wir uns. Beschwören das Oberflächlichste in nahezu stündlichen Ritualen: Handy her, App auf und Starren ab! Das macht vergesslich; man muss sich eh nichts mehr – äh … ach ja: merken. Und vor allem: Was uns da in der Tiefe zusammenhält, hält uns ja eh zusammen, ob ich mir das merke oder nicht; ob ich es bemerke oder nicht. So kann ich ja auch machen, was ich will; kann ich hetzen, kann vergiften, kann zerstören, kann ich! Denn dass der Grund in der Tiefe, dass unser gemeinsames Fundament wegbräche: Das ist in meinem Leben ja noch nie passiert! Und alles vor meiner Zeit sind bloße Geschichten der Geschichte. Solch primitive, irrationale Menschen sind wir ja längst nicht mehr. Evolutionsspitze sind wir. Technologiemeister. Schwerkraft haben wir überwunden, einen digitalen Schattengott haben wir uns erschaffen – nachdem wir unsren Gott gemordet haben! Und mit ihm unsere Demut starb. Aber ist alles nicht so wichtig. Nebensache.

Hauptsache ich behalte meine Freiheit; Hauptsache, ich bleibe selbstbestimmt. Unabhängig, ja! Ich! Ich mache, was ich will! Ich kann raus gehen auf die Straßen, wenn ich will; ich kann mir Gehör verschaffen, wenn ich will; ich kann: ich.