Hallo

ist doch der einzig würdige Beginn für einen Blogeintrag nach längerer Pause. Jut: Zweieinhalb Monate ist dann doch schon ziemlich lang länger – aber nicht so lang wie der liebe Ludwig Wittgenstein, der über 30 Jahre Schreibpause eingelegt hatte.
Also was gibt’s zu erzählen? Von dunklen Tiefpunkten und hohen Lichtblicken … aber davon könnte ein jeder erzählen. Nicht nur in dem Punkt sind wir alle gleich; wir atmen auch alle. Essen und scheiden aus, schlafen und wachen. Leben und sterben. Und trotzdem wird so viel Aufhebens um die ach-so-wichtigen Unterschiede gemacht … Unterschiede, die dann immer bis in den Kern selbst getrieben werden wollen, um einen kernverschiedenen, grundverschieden Schein über das Wesentliche zu legen … Eckhart Tolle hat auf einen schönen Unterschied aufmerksam gemacht: Lebenssituation heißt nicht Leben. Lebenssituation ist oberflächlich. Leben tief. Und wie auch das Vorangehen ein Balance-Akt ist, so ist auch das Bewusstsein von Lebenssituation und Leben ein Balanceakt – so viel in der Theorie.
Praktisch dann …
Meine Güte! Wie leicht man da umfallen kann! Und liegen bleiben, auf seinem Weg! Vor allem, wenn der Boden nicht harter Stein ist, sondern flauschig warmweiches Genuss-Pflaster, auf dem man alles bis zum Erbrechen haben kann – nur liegt es sich da so gut, dass die Muskeln abbauen, die Knochen brüchig werden, der Bauch fett, der Geist lahm, das Unbewusst-Sein groß. Der einzige Vorteil in dieser Situation: der Schmerz des Wundliegens wächst stetig und treibt einen irgendwann zur Bewegung. Und dann geht’s weiter. Balance. Akt.

Um aber das mir wirklich Wichtige dieser letzten Zeit zu erzählen: Kunst ist sinnvoll. Essentiell für den Menschen.
Der zunehmende Nihilismus bzw. die zunehmende Dekadenz unserer Zeit (was sich in unserer Gesellschaft vielleicht äußert, durch eine halbbewusste Vorahnung über den bald kommenden Zusammenbruch) will viel in Tiefe reißen: Glaube, Hoffnung. An die Zukunft. Und wenn man da auf sich allein gestellt wäre … gemeinsam lässt’s sich leichter halten. Wie auch die Navy Seals während ihrer Höllen-Woche, wenn sie zum hundertsten Mal in das eiskalte Meer müssen, um dort, Seite an Seite, Arm an Arm verschränkt, dem brechenden Frostwasser zu widerstehen.
Einiges in meinem künstlerischen Werdegang ist mir klarer geworden (Einfachheit und Klarheit in der Kunst; Pausen; Freude; doch auch harte Arbeit), und nachdem ich in den letzten Wochen vor allem Texte geschrieben habe, für Lesungen, die jetzt doch nicht stattfinden (Lockdown, lieber Lockdown, es ist noch nicht so weit …) steht mir die zweite Hälfte der Roman-Überarbeitung bevor: 12 Kapitel noch überarbeiten, dann ist die dritte Fassung feddisch. Ach, und: das große Schönbrunn-Bild (135x78cm) kommt morgen in seine erste Fassung; dann kommen die Details!

Ich wünsche euch alles Liebe; und ihr lest – oder blickt – von mir nächsten Dienstag, 18:30. Also höchstwahrscheinlich.