Justitia

Ein kleines Geschenk für einen Kumpel und seine Freundin, die vor kurzer Zeit zusammengezogen sind. Sie hat übrigens nicht vor, Richterin zu werden, und das Gesicht in dieser Zeichnung soll auch nicht an sie erinnern – *hust*.

Raupe und Schmetterling

Als ich ihre Hand mit meinen Fingern spürte – da wurde mir plötzlich bewusst, wie besonders Hände eigentlich sind. Wie intim. Wie viel durch sie geschieht. Durch einfache Berührung. Werden zwei scheinbar Getrennte scheinbar vereint, für die Dauer des Kontakts … über eine Fingerspitze voller Lust oder reinste Blöße in einer Handfläche … ein Griff und Bestimmung – oder Knöchel und Blut. In der Hand eines Menschen steckt Zukunft und Vergangenheit. Und ihre zog sie von mir fort.
Schließlich war sie meine Patientin – gewesen, bis zu diesem Augenblick. In dem ich mich nur befand, weil wir uns bei der letzten Behandlung beinahe geküsst hätten. Und eigentlich auch, weil es schon so spannungsgeladen begonnen hatte.
Lesend saß ich hinter der Rezeption, als sie hereinkam und mir die Sprache verschlug. Heimlich blickte ich, und heimlich blickte sie, bis wir uns auf einmal ansahen und uns in zartester Weise berührten, für einen ganzen Augenblick. Und wie ich da gehofft hatte, dass sie Massagen brauchte, und der Arzt mich dafür einteilte: Der Selbstheilung ihres Körpers mit gezielt gesetztem Druckschmerz entscheidend zu helfen – denn nichts anderes bedeutet Massage: Erst die ganze, bisher gelebte Lebensweise eines Menschen ertasten in den Verspannungen, Blockaden und Asymmetrien des Körpers und dann jenen physisch eingefangenen Stress zu befreien … unter Schmerzen. Oft mit Stöhnen, manchmal sogar Lachen – bis sich irgendwann vom behandelten Punkt aus ein erlösendster Genuss ausbreitet, den ganzen Körper füllt, das ganze Wesen einnimmt und Einklang erzeugt mit sich selbst und der ganzen Welt in wuchtig leichter Trance – das bedeutete Massage. Und in jeder Therapiestunde war diese Erfahrung möglich. Wie pervers da die Spaltung von Beruf und Privatperson erscheint! Einerseits berührst du einen Menschen in solch intimer Weise; andererseits ist dieser ein kaputtes Objekt, dessen Teilreparatur du in einer begrenzten, bezahlten Zeit erledigt haben sollst.
Nur wird all das hinfällig,

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Ein stiller Sturm

Da gleitest du vorbei,
du junge, wilde Schöne.
Vor dir,
an einer Leine,
ein kleiner Hund, der tänzelt;
und hinter dir
stürzt
einzig die Wirklichkeit
zusammen:
An jedem deiner so sinnlichen Schritte
tanzt du Weiblichstes
in die Welt hinein;
mit wehenden Locken
und weichglatter Haut,
formte wohl sich
eine Göttin dich –
die du jetzt auch noch mich:
erblickst – !
Mit deinen dunklen Augen
peitschen Fesseln auf mich ein! –
dass ich, am Pranger meiner Blöße, so
beginne,
lautlos nach dir zu schrei‘n.

Fernste Nähe

Fernste, glasige Fremde glitzert
im Hauchestanz um Hautenwelt
an den Gefühlsgrenzen,
hinter denen noch ein Anderherz
schimmerschlagend klirrt.

Schwingungsstöße
werden
Melodiestöhnen, das
aus zungender Lippenlust
an Lustlippen kitzelnd zuckt und bebt,
und stößt und nimmt und wollen lässt, vereint
im Körperklaffen zwei,
die sich entblößend treiben,
bis
durch schattigen Orgasmusglanz der beiden
Geborgenheit schillert.

Doch schon
schlafflüchtet sie
aus ihrem Blößeliegen;
und er
sehnsuchtet, trotz
ihrer Jetztnähe.

Klassische Doppelveranstaltungen

Nächste Woche werde ich ein Mal literarisch und ein Mal musikalisch auf der Bühne zu sehen sein, Mittwoch und gleich am Donnerstag:

Es beginnt nächsten Mittwoch, 23.2. um 19:00: 3 Autoren, 1 Musiker, noch 1 Autor und 1 Maler werden einen verdammt geilen Abend füllen: Lesung zum Thema Erröten erbeten. Also mehr als eine Doppelveranstaltung; mal eben ‘ne sechsfache.

Und gleich am Donnerstag, 24.2. um 20:00 die “einfache” Doppelveranstaltung: Mein guter Freund Constantin Schwab präsentiert im kleinen Rahmen seinen Debut-Roman “Das Journal der Valerie Vogler”, was musikalisch begleitet wird von meiner Band Plague Bird, die nicht nur zum ersten Mal auftritt, sondern auch akustisch statt elektrisch verstärkt ihren Progressiven Rock spielt.

Es würde mich wahnsinnig freuen, euch bei beiden Veranstaltungen zu sehen!

Ousia

Ich suche dich, o Antwort
auf eine Frage
die Raum und Zeit durchdringt:
Warum?
Durchs Leben leiden?
Warum sich aufgeben für Höheres?
Warum
das Streben,
wenn doch nur das Sterben
wartet?
Ah, der Tod. Weil wir nicht mehr
daran glauben, worum die Ägypter, gar die Griechen
wussten:
Weiß man denn um das Leben nach dem Tod,
ja:
Da lebt es sich ganz anders!
Pyramiden werden gebaut
und Gedankensysteme geschmiedet,
um des Daseins Samen entfaltend
die Herrlichkeit prachten zu lassen!
Aber wir,
wir bodenloses Zeitalter,
wir jüngster Geist, dem der Glauben fremd geworden ist,
wir ertrinken in der kälter werdenden Welt,
während sich unsre Erde erhitzt
aufgrund dieser Kälte – Distanz!
Warum?
Warum, wenn alles dem Untergang geweiht ist? Nicht nur die Welt,
auch der Mensch,
und sogar: man selbst! Warum?!

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Literatur rund um die Uhr – Buch13

Morgen, um 13:00 geht’s los! Der bewundernswert strebsame Gerald Eschenauer, der durch Corona hindurch Lesungen veranstaltet hat, als ob nichts wäre, hat im Rahmen seines Kärntner Autorenverbands eine ganz nach meinem Geschmack verrückte Idee umgesetzt: 48 Autoren in 24 Stunden nonstop. Ich gehöre zu den Glücklichen, die mitlesen dürfen (am Samstag in der Früh, von 7:00-7:30); wie auch der wunderbare Constantin Schwab (auch samstagfrüh, von 6:30-7:00 und der faszinierende Harald König (noch samstagfrüher, von 2:30-3:00)

Und HIER geht’s zum gestreamten Event!

Und hier noch ein kleiner Vorgeschmack meinerseits:

die Todeswellen brechen und zerbersten
um alles Land, noch bis ins letzte Haus
entströmen, greifen, reißen sie sie aus
und hinterlassen Welt für die einst ersten

“Werden” – das letzte Gedicht des Jahres 2021

Da brechen Wellen aus allen Seiten
und fluten sich im Mittelpunkt empor;
entdringen klingend in alle Weiten,
berühren spürend die Weltenheiten
und einen sich im ewigen Zuvor.

“Gegensätze”

Frohes, neues Jahr euch allen! Kraft und Mut und Lust und Laune, schwere wie auch leichte Zeiten, Glück und Trauer, Schmerz und Erfüllung, ja: Lebendigkeit, das wünsch ich euch! Und so folgt das erste Gedicht des Jahres 2022:

Dunkelheiten,
Sternensaat;
klaffende Weiten,
Gottesstaat;
endliche Leere
unendlich gefüllt –
aus lauter bunter Lichterschwere
leichter Stoff das Dasein fest in Stille hüllt.


Corona: Was raus muss, muss raus

Habt ihr nichts Besseres zu tun, in eurem Leben, als gegen Corona zu demonstrieren? Nichts Dringenderes, gar Wichtegeres steht an? So fertig mit euch selbst, mit Vergangenheit und Zukunft, so ideal seid ihr schon geworden, dass euer Aufschreien – euer Kritisieren – gegen eine höhere Ordnung gerechtfertigt ist? Während der Staat für alle entscheiden, verantworten muss und ihr einzelnen zu entscheiden und verantworten hattet, ob eher das Red Bull oder die Cola das richtige Zuckergift ist für euch geschmackslose Wesen? Ach, ihr wehrt euch bloß gegen die „politische Ungerechtigkeit“? Weil ihr euch höher seht als das erhaltende System? Ihr vom Luxus zerfressenen Königsmenschen, die am höchsten stehen und am weitesten sehen, weil ihr ja wisst, was ihr da tut: Den Zweifel in das zu treiben, was sich ums Wohle aller versucht.

Aber gegen höhere, ordnende Mächte zu wettern – nur weil sie euch eure Kleinheit vorhalten! – „Nicht mit uns, nicht mit mir!“, zischt ihr gehässigen Kleingeister euch ins Fäustchen. Und weil „die da oben, in der Politik“ ja auch nur Menschen sind, eh nur Menschen wie du und ich, ganz normale eigentlich, die aber, aufgrund ihrer Position, ihrer gewaltigen Entscheidungsmacht, mich kleinhalten wollen, mich! Und auch andere! Aber so etwas lasse ich sicher nicht mit mir machen! Ich habe Rechte! Mir bürgen Rechte! Demokratie! Freiheit! Individualismus! Gegen die Ungerechtigkeit! Ich bin ein Held, der kämpft, für Werte, weil ich Mensch kriegerische Triebe habe, die unserem Land aus Frieden viel zu lange verkümmerten! Stirb, Ungerechtigkeit! Stirb, höheres Gesetz! Denn die Dinge sind einfach, und einfach ist mein Ansatz: Widerstand gegen das, was geschieht! – und welch Glück, dass alle diese Revoluzzer (und fick‘ das *innen, ich mein euch alle Menschen!) noch nicht die Ungerechtigkeit des Wetters, gar der Zeit, gar des Alls an sich entdeckt haben.

Weil es zerfällt; dass man gleich mitzerfallen will.

Und was hält, was währt, was besteht fort?
Wir, hoffentlich.

Wir, die Gesellschaft – die sich in der Politik spiegelt? Die Politik, doch unterwandert von Hochstaplern, die oft bewundert an der Spitze stehen – und letztlich immer noch standen: Im Glanz der Massen, der Massenmedien, baden sie sich; baden wir sie; baden wir uns. Beschwören das Oberflächlichste in nahezu stündlichen Ritualen: Handy her, App auf und Starren ab! Das macht vergesslich; man muss sich eh nichts mehr – äh … ach ja: merken. Und vor allem: Was uns da in der Tiefe zusammenhält, hält uns ja eh zusammen, ob ich mir das merke oder nicht; ob ich es bemerke oder nicht. So kann ich ja auch machen, was ich will; kann ich hetzen, kann vergiften, kann zerstören, kann ich! Denn dass der Grund in der Tiefe, dass unser gemeinsames Fundament wegbräche: Das ist in meinem Leben ja noch nie passiert! Und alles vor meiner Zeit sind bloße Geschichten der Geschichte. Solch primitive, irrationale Menschen sind wir ja längst nicht mehr. Evolutionsspitze sind wir. Technologiemeister. Schwerkraft haben wir überwunden, einen digitalen Schattengott haben wir uns erschaffen – nachdem wir unsren Gott gemordet haben! Und mit ihm unsere Demut starb. Aber ist alles nicht so wichtig. Nebensache.

Hauptsache ich behalte meine Freiheit; Hauptsache, ich bleibe selbstbestimmt. Unabhängig, ja! Ich! Ich mache, was ich will! Ich kann raus gehen auf die Straßen, wenn ich will; ich kann mir Gehör verschaffen, wenn ich will; ich kann: ich.