Ousia

Ich suche dich, o Antwort
auf eine Frage
die Raum und Zeit durchdringt:
Warum?
Durchs Leben leiden?
Warum sich aufgeben für Höheres?
Warum
das Streben,
wenn doch nur das Sterben
wartet?
Ah, der Tod. Weil wir nicht mehr
daran glauben, worum die Ägypter, gar die Griechen
wussten:
Weiß man denn um das Leben nach dem Tod,
ja:
Da lebt es sich ganz anders!
Pyramiden werden gebaut
und Gedankensysteme geschmiedet,
um des Daseins Samen entfaltend
die Herrlichkeit prachten zu lassen!
Aber wir,
wir bodenloses Zeitalter,
wir jüngster Geist, dem der Glauben fremd geworden ist,
wir ertrinken in der kälter werdenden Welt,
während sich unsre Erde erhitzt
aufgrund dieser Kälte – Distanz!
Warum?
Warum, wenn alles dem Untergang geweiht ist? Nicht nur die Welt,
auch der Mensch,
und sogar: man selbst! Warum?!

Weiterlesen

Literatur rund um die Uhr – Buch13

Morgen, um 13:00 geht’s los! Der bewundernswert strebsame Gerald Eschenauer, der durch Corona hindurch Lesungen veranstaltet hat, als ob nichts wäre, hat im Rahmen seines Kärntner Autorenverbands eine ganz nach meinem Geschmack verrückte Idee umgesetzt: 48 Autoren in 24 Stunden nonstop. Ich gehöre zu den Glücklichen, die mitlesen dürfen (am Samstag in der Früh, von 7:00-7:30); wie auch der wunderbare Constantin Schwab (auch samstagfrüh, von 6:30-7:00 und der faszinierende Harald König (noch samstagfrüher, von 2:30-3:00)

Und HIER geht’s zum gestreamten Event!

Und hier noch ein kleiner Vorgeschmack meinerseits:

die Todeswellen brechen und zerbersten
um alles Land, noch bis ins letzte Haus
entströmen, greifen, reißen sie sie aus
und hinterlassen Welt für die einst ersten

“Werden” – das letzte Gedicht des Jahres 2021

Da brechen Wellen aus allen Seiten
und fluten sich im Mittelpunkt empor;
entdringen klingend in alle Weiten,
berühren spürend die Weltenheiten
und einen sich im ewigen Zuvor.

“Gegensätze”

Frohes, neues Jahr euch allen! Kraft und Mut und Lust und Laune, schwere wie auch leichte Zeiten, Glück und Trauer, Schmerz und Erfüllung, ja: Lebendigkeit, das wünsch ich euch! Und so folgt das erste Gedicht des Jahres 2022:

Dunkelheiten,
Sternensaat;
klaffende Weiten,
Gottesstaat;
endliche Leere
unendlich gefüllt –
aus lauter bunter Lichterschwere
leichter Stoff das Dasein fest in Stille hüllt.


Corona: Was raus muss, muss raus

Habt ihr nichts Besseres zu tun, in eurem Leben, als gegen Corona zu demonstrieren? Nichts Dringenderes, gar Wichtegeres steht an? So fertig mit euch selbst, mit Vergangenheit und Zukunft, so ideal seid ihr schon geworden, dass euer Aufschreien – euer Kritisieren – gegen eine höhere Ordnung gerechtfertigt ist? Während der Staat für alle entscheiden, verantworten muss und ihr einzelnen zu entscheiden und verantworten hattet, ob eher das Red Bull oder die Cola das richtige Zuckergift ist für euch geschmackslose Wesen? Ach, ihr wehrt euch bloß gegen die „politische Ungerechtigkeit“? Weil ihr euch höher seht als das erhaltende System? Ihr vom Luxus zerfressenen Königsmenschen, die am höchsten stehen und am weitesten sehen, weil ihr ja wisst, was ihr da tut: Den Zweifel in das zu treiben, was sich ums Wohle aller versucht.

Aber gegen höhere, ordnende Mächte zu wettern – nur weil sie euch eure Kleinheit vorhalten! – „Nicht mit uns, nicht mit mir!“, zischt ihr gehässigen Kleingeister euch ins Fäustchen. Und weil „die da oben, in der Politik“ ja auch nur Menschen sind, eh nur Menschen wie du und ich, ganz normale eigentlich, die aber, aufgrund ihrer Position, ihrer gewaltigen Entscheidungsmacht, mich kleinhalten wollen, mich! Und auch andere! Aber so etwas lasse ich sicher nicht mit mir machen! Ich habe Rechte! Mir bürgen Rechte! Demokratie! Freiheit! Individualismus! Gegen die Ungerechtigkeit! Ich bin ein Held, der kämpft, für Werte, weil ich Mensch kriegerische Triebe habe, die unserem Land aus Frieden viel zu lange verkümmerten! Stirb, Ungerechtigkeit! Stirb, höheres Gesetz! Denn die Dinge sind einfach, und einfach ist mein Ansatz: Widerstand gegen das, was geschieht! – und welch Glück, dass alle diese Revoluzzer (und fick‘ das *innen, ich mein euch alle Menschen!) noch nicht die Ungerechtigkeit des Wetters, gar der Zeit, gar des Alls an sich entdeckt haben.

Weil es zerfällt; dass man gleich mitzerfallen will.

Und was hält, was währt, was besteht fort?
Wir, hoffentlich.

Wir, die Gesellschaft – die sich in der Politik spiegelt? Die Politik, doch unterwandert von Hochstaplern, die oft bewundert an der Spitze stehen – und letztlich immer noch standen: Im Glanz der Massen, der Massenmedien, baden sie sich; baden wir sie; baden wir uns. Beschwören das Oberflächlichste in nahezu stündlichen Ritualen: Handy her, App auf und Starren ab! Das macht vergesslich; man muss sich eh nichts mehr – äh … ach ja: merken. Und vor allem: Was uns da in der Tiefe zusammenhält, hält uns ja eh zusammen, ob ich mir das merke oder nicht; ob ich es bemerke oder nicht. So kann ich ja auch machen, was ich will; kann ich hetzen, kann vergiften, kann zerstören, kann ich! Denn dass der Grund in der Tiefe, dass unser gemeinsames Fundament wegbräche: Das ist in meinem Leben ja noch nie passiert! Und alles vor meiner Zeit sind bloße Geschichten der Geschichte. Solch primitive, irrationale Menschen sind wir ja längst nicht mehr. Evolutionsspitze sind wir. Technologiemeister. Schwerkraft haben wir überwunden, einen digitalen Schattengott haben wir uns erschaffen – nachdem wir unsren Gott gemordet haben! Und mit ihm unsere Demut starb. Aber ist alles nicht so wichtig. Nebensache.

Hauptsache ich behalte meine Freiheit; Hauptsache, ich bleibe selbstbestimmt. Unabhängig, ja! Ich! Ich mache, was ich will! Ich kann raus gehen auf die Straßen, wenn ich will; ich kann mir Gehör verschaffen, wenn ich will; ich kann: ich.

“Leptyss” – neues Logo

Mein guter Freund und Musiker Maximilian Ludwig von Perstl hat nach intensiven Monaten sein Debutalbum vollendet. Und morgen, 1.12.21, um 16:00, (verlinken werde ich es dann hier und hier) wird es auf allen gängigen Streaming-Plattformen veröffentlicht.

Unter dem Namen Leptyss lässt er seiner musikalischen Spannweite, die von progressiven Metal bis hin zu klassischen Symphonie-Komposition reicht, freisten Lauf. Für mich ist er ein talentierter Jemand, der die Musik im Blut hat: Und fremde Ohren und Seelen anspruchsvoll, dynamisch, gefühlvoll, mit der schönsten Hässlichkeit wie der liebevollsten Schönheit (eines noch jungen Künstlers) berührt.

Ich durfte ihm dieses Logo erschaffen – welches für uns beide das genau Richtige zu seiner Musik verkörpert. (Falls der erste Entwurf des Bandlogos bereits in Vergessenheit geraten ist, hier seht ihr ihn.)

Hallo

ist doch der einzig würdige Beginn für einen Blogeintrag nach längerer Pause. Jut: Zweieinhalb Monate ist dann doch schon ziemlich lang länger – aber nicht so lang wie der liebe Ludwig Wittgenstein, der über 30 Jahre Schreibpause eingelegt hatte.
Also was gibt’s zu erzählen? Von dunklen Tiefpunkten und hohen Lichtblicken … aber davon könnte ein jeder erzählen. Nicht nur in dem Punkt sind wir alle gleich; wir atmen auch alle. Essen und scheiden aus, schlafen und wachen. Leben und sterben. Und trotzdem wird so viel Aufhebens um die ach-so-wichtigen Unterschiede gemacht … Unterschiede, die dann immer bis in den Kern selbst getrieben werden wollen, um einen kernverschiedenen, grundverschieden Schein über das Wesentliche zu legen … Eckhart Tolle hat auf einen schönen Unterschied aufmerksam gemacht: Lebenssituation heißt nicht Leben. Lebenssituation ist oberflächlich. Leben tief. Und wie auch das Vorangehen ein Balance-Akt ist, so ist auch das Bewusstsein von Lebenssituation und Leben ein Balanceakt – so viel in der Theorie.
Praktisch dann …
Meine Güte! Wie leicht man da umfallen kann! Und liegen bleiben, auf seinem Weg! Vor allem, wenn der Boden nicht harter Stein ist, sondern flauschig warmweiches Genuss-Pflaster, auf dem man alles bis zum Erbrechen

Weiterlesen

Der heilige erhabene ehrwürdige ehemalige Sextilis

So hat die Sommerpause auch mich erwischt. Die große Nase voll von Schaffensschnodder hatte mich alle Schwerkraft ins Loslassen gezogen. Und HALELUJA! hat das gut getan! Nach einer kleinen Europarundreise (Belgien, Deutschland, Österreich, Italien) bin ich nun wieder in meinen vier Wänden, um zu schaffen, was das Zeug hält: die Schönbrunn-Leinwand, die einfach knechtend riesig erscheint; einen Weißdorn aus dem Augarten mit einem hübschen, kleidchentragenden, laufenden Mädchen – fehlt noch Schatten- und Lichtfeinschliff; und mein Monsterprojekt Netzlos – dessen letzte 12 Kapitel noch überarbeitet werden wollen.
Ansonsten bin ich ungewöhnlich braun geworden, habe mich erneut in Italien langfristig und in eine Italienerin kurzfristig verliebt und Eines, Wichtiges verstanden: im Ruhen ordnet und ankert sich etwas im Inneren. Und ähnlich, wie es nach jedem Einatmen ein Ausatmen brauch, verbunden durch einen unbestimmbaren Umkehrpunkt; ähnlich wie das Herz von Systole in die Diastole wechselt, über einen Wendepunkt hinweg, so brauch das durch unseren Zeitgeist stringente Leisten-Wollen-Müssen den Gegenpol der Ruhe – “NO NA NED!”, höre ich meinen verinnerlichten Wiener rufen; aber so einfach ist es dann doch nicht … August Diehl hat es so schön auf den Punkt gebracht: “Arbeit ist quasi die größte Tugend. Wenn man sagen würde: ‘Nö, ich arbeite schon seit nem halben Jahr gar nichts’ – ‘Was machst du sonst so?’ – ‘Ja, ich lese oder so, oder ich mach gar nichts, oder: überhaupt gar nichts …’ – dann ist das immer was schlimmes.” —
Eines meiner Lieblingsbilder im Kunsthistorischen Museum ist Rubens’ Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis. Und als ich erfahren hatte, dass er verdammt nochmal SECHZEHN Jahre daran gearbeitet hat – ja, da ändern sich gewisse … Perspektiven …

Weiterlesen

Kaisermond

Nächste Woche Dienstag, 19:30 im Badeschiff an der Donau: PROSA COLADA-Lesung mit dem jungen ÖSV. Icke darf auch lesen; also kommt vorbei!

Die Azteken hatten’s kapiert: 13 Monate à 4 Wochen macht 364 Tage, ergo ein Jahr. Dann noch alle 4 Jahre ‘nen Tag dazu und zack, feddisch: Sonnenumlauf der Erde eingefangen. Wäre es nicht großartig unseren gregorianischen Scheiß für so ein perfekt verlässliches System aufzugeben? Jeder Monat begänne mit dem selben Wochentag, endete mit dem selben. Alles gerade, ohne Kanten, Ecken; einfach nur schlüssig. Ineinander gefügte strukturelle Eleganz – die zum fucking Einschlafen wäre. Klar. Wär dann logischer, so. Aber wo bleibt die Abwechslung?
Einer der bekannten Weltautoren sagte Mal etwas wie: Wäre die naive Vorstellung von Himmel (Kuchen fressen, auf Wolken chillen und alles des Glückes überdrüssig) Wirklichkeit, dann wäre das Erste, was Menschen zwei Wochen später machten: Etwas zerstören, damit irgendetwas passiert; irgendetwas anderes.
Dieselbe Lüge wird ja in unserer Arbeitswelt verkauft: Für den Großteil heißt’s doch: Täglich Leiden, 40 Jahre ziehen vorüber und dann, in der Rente, gibt’s den Ausgleich: Margarita saufen am Sandstrand bis die Leber schreit; Hautrunzeln bis man zur wandelnden Lederjacke wird; ziellos dem Tod Zeit-totschlagend entgegen.
Ein Fuß in der Ordnung, einer im Chaos. Unser Kalender verkörpert das meiner Ansicht nach auch. Regelmäßigkeit mit Abwechslung. Grenzt an Gegensatz. Vereint in EINEM – da hätten wir das wirklich Spannende wieder: Das, was Gegensätze vereint. Was auch immer das ist. Wahrheit? Wirklichkeit? Auf jeden Fall unsere Welt. Und was sagte Nietzsche über Letztere? “Die »scheinbare« Welt ist die einzige: die »wahre Welt« ist nur hinzugelogen
Juli war ursprünglich der fünfte Monat im julianischen Kalender (hieß auch mal Quintilis, von quintus –> Fünf) – ganz nüchtern hießen die 12 Monate damals einfach Eins … Zwei … bis Zwölf; und heute noch sieht man die Zahlen: SEPTember (7), OKTober (8), NOVember (9), DEZember (10) – d.h. für diese vier Monate braucht’s noch bildlichere Namen. Und da hatten unsere nicht-römischen Vorfahren kreativere Vorschläge: Heuet, Heuert, Heumonat (Im Juli gab’s das erste Heumähen), Bärenmond oder Honigmond; aber Juli(us) passt ja auch.

Kost’n Zwanni oder’n Taui

Eines schönen Abends stand ich mit meinem besten Freund und zwei weiteren Freunden irgendwo im ersten Bezirk. Das Thema Louis-Vuitton-Taschen kam auf, und wir haben Preise geschätzt. Mein bester Kumpel – der von seiner Mum mal eine zum Geburtstag bekommen hatte – hatte diese Diskussion rasch beendet: Ach! Ne Louis kost’n Taui. Es folgte ein fünfminütiger Lachflash. Situationskomik halt, die – wie ich gerade merke – geschrieben eher nicht wirkt. Man kennt’s.
Unter dieser fünf Zeilen langen Zeitverschwendung ist die 5. Illustration zu Markus Grundtners Text Scheinwelt – vorletztes Bild für unsere Anthologie. Bleibt nur noch die Rückseite, in kommender Zeit!